Aktuelle Meldungen und Veranstaltungen

Meldung vom 14. Oktober 2019

Neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ erschienen: 30 Jahre Friedliche Revolution

Die Rückschau auf die Ereignisse des Herbstes 1989 ist weiterhin geprägt von heftigen Kontroversen und emotionalen Diskussionen. Neben der eher aufgewärmt wirkenden Debatte um den Begriff „Unrechtsstaat“, wird derzeit viel gestritten: über das Erbe der Friedlichen Revolution und wem die Verdienste daran gebühren, über Geschichte als Instrument im Wahlkampf, über die Notwendigkeit einer Ost-Quote, über die Zukunft der Stasi-Akten, über den Stand der inneren Einheit, über alte Klischees und neue Vorurteile oder ob der letzte SED-Vorsitzende ein passender
Festredner am 9. Oktober in Leipzig war.
Auf der anderen Seite bilden die 30 Jahre Abstand eine sichtbare Schwelle: Eine neue Generation – auch von jungen Historikerinnen und Historiker – tritt an und die Zeitzeugen werden anders wahrgenommen, gewisse Archivbestände werden zugänglich oder öffnen sich durch entfallene Sperrfristen, die Bewertung der Epochenzäsur des Jahres 1989 wird erneut vermessen. Dieser komplexe Vorgang wird nicht zuletzt an der Heftigkeit der Debattenbeiträge, der Vielzahl neuer Bücher und Dokumentationen oder der politischen Orientierungssuche nach drei Landtagswahlen in den „neuen Bundesländern“ deutlich.
Geht es dabei nur um das symbolische Erringen der Deutungshoheit oder können wir froh sein über die Vielzahl an Streitobjekten? Schließlich ist die Auseinandersetzung über historische Schlüsselereignisse vor allem Ausdruck und Merkmal einer pluralen Erinnerungs- und Geschichtskultur, nicht ihr Mangel oder eine Krisenerscheinung. Einen Raum für Diskussionen, Austausch und kontroverse Positionen zu schaffen, ist seit Anbeginn das Ziel der Zeitschrift „Gerbergasse 18“. Im vorliegenden Heft reagiert etwa Wolfgang Schuller in einer Replik auf die häufig geäußerte Forderung, die DDR müsse „neu erzählt“ werden. Der Historiker begrüßt ausdrücklich neue Forschungsansätze, warnt aber vor der Tendenz, vor lauter Differenzierung und
Grautönen analytische Kategorien und Begriffe zu verwischen.
In weiteren Heftbeiträgen geht es um die brisante Situation des Urlauberschiffs „Völkerfreundschaft“ während der Kuba-Krise 1962, das Stalin-Trauma der frühen DDR sowie den Olof-Palme-Marsch 1987 in Weimar. In einer Rezension wird das interessante Büchlein von Erdmuthe Antrack besprochen, die 1989 als Studentin hunderte Transparentsprüche der Friedlichen Revolution in Leipzig, Jena und Kahla notierte, die nun gesammelt unter dem Titel „Die Sprache des Volkes“ herauskamen.

Das Inhaltsverzeichnis und einige Leseproben der Ausgabe finden Sie hier.

Die neue „Gerbergasse 18“ (Heft 92) ist ab sofort im Jenaer Buchhandel, an ausgewählten Verkaufsorten (siehe Liste) oder direkt bei der Geschichtswerkstatt erhältlich (schreiben Sie gerne über unser Kontaktformular).

Meldung vom 07. Oktober 2019

Gesellschaft als staatliche Veranstaltung? Orte politischer und kultureller Partizipation in der DDR – Wissenschaftliche Tagung in Jena

Am 10. und 11. Oktober 2019 veranstaltet die Professur für Europäischen Diktaturen-vergleich an der Friedrich-Schiller-Universität Jena gemeinsam mit dem BMBF-Verbund "Diktaturerfahrung und Transformation" und der Stiftung Ettersberg die Wissenschaftliche Tagung  "Gesellschaft als staatliche Veranstaltung? Orte politischer und kultureller Partizipation in der DDR".

Mit der sozialen und kulturellen Herrschaftspraxis in der DDR jenseits der Zentrale hat sich die Forschung lange schwergetan. Seit einigen Jahren setzen sich Historikerinnen und Historiker nun intensiver mit lokalen Herrschaftsverhältnissen auseinander. Mit diesem Ansatz gehen eine Reihe von Fragen einher, die auf der Tagung anhand ausgewählter Projekte diskutiert werden sollen.

Zunächst geht es um konkrete Orte, an denen sich Herrschaft manifestierte. Dabei soll analysiert werden, wie sich politische Aushandlungsprozesse zwischen Stadt, Land und Betrieb gestalteten. In der zweiten Sektion rücken lokale Akteure jenseits der SED in das Blickfeld, von der staatlichen Verwaltung über die Blockparteien bis hin zu den Massenorganisationen. Sie werden nicht nur als (weitere) Herrschaftsträger verstanden, sondern als institutioneller Rahmen, in dem sich Bürger für ihr soziales Nahfeld einsetzten. Eng damit verbunden sind drittens die Handlungsfelder von lokalem Engagement — Traditionspflege, kulturelle Aktivitäten und Schutz der eigenen Umwelt. Die vierte und abschließende Sektion behandelt den Wandel lokaler Partizipationsformen im Zuge des revolutionären Umbruchs 1989/1990.

 

Ort: Großer Rosensaal, Fürstengraben 27, 07743 Jena

 
 
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