Aktuelle Meldungen und Veranstaltungen

Meldung vom 26. November 2021

KEIN Schlussstrich und Transformationsjahre. Zwei Veranstaltungen im Dezember setzen die filmische Projektreihe ZEITZEUGENWERKSTATT fort

Mit gleich zwei Veranstaltungen setzt die Geschichtswerkstatt Jena die filmische Projektreihe ZEITZEUGENWERKSTATT im Dezember 2021 fort.

Aufgrund der aktuell geltenden Pandemie-Auflagen finden die Veranstaltungen im Schillerhof-Kino im Rahmen der 2G-Regelung statt.

Geschichte ohne Schlussstriche, denn: Es begann hier
Werkstattbericht und Diskussion mit dem Psychologen Wolfgang Frindte
Donnerstag, 2. Dezember 2021
Ort: Kino Schillerhof (Blauer Saal),
Helmboldstraße 1, 07749 Jena
Beginn: 18.00 Uhr
Eintritt: 1 €

Abschied und Aufbruch – Skizzen einer Transformation
Eine filmische Zeitzeugendokumentation
AUS AKTUELLEM ANLASS VERSCHOBEN AUF 2022
Ort: Kino Schillerhof (Blauer Saal),
Helmboldstraße 1, 07749 Jena
Beginn: 18.00 Uhr
Eintritt: 3 €
Bitte reservieren Sie Karten vorab online:
www.schillerhof.org
Bitte beachten Sie das Hygienekonzept vor Ort (2G):
www.schillerhof.org/index.php/de/kontakt/hygienekonzept

 

Werkstattbericht am 2. Dezember 2021
Die Geschichtswerkstatt Jena beleuchtet den Transformationsprozess in Jena, um die gesellschaftlichen Veränderungen, Herausforderungen und Verwerfungen nach 1989/90 in den Blick zu nehmen. Diese Zeitspanne war gekennzeichnet durch neue Freiheiten, veränderte Lebenswege und die Verschiebung von gesellschaftlichen Grenzen. Plötzlich war möglich, was bisher unmöglich schien, doch mit welchen Folgen und Konsequenzen? Das Interview-Projekt „Es begann hier“ fragt unter anderem: Wie haben Menschen verschiedener Altersgruppen diese neue Freiheit ausgefüllt und erlebt? Welche Erfahrungen und Konflikte gab es mit radikalen Einstellungen in der Gesellschaft nach der Wiedervereinigung?
Wie erlebten insbesondere Jugendliche den sogenannten Transformationsprozess und wie schauen sie heute darauf zurück? Wie wirkten sich die gesellschaftlichen Veränderungen in Jena konkret aus – sichtbar im Stadtteil und in der Stadtöffentlichkeit, in der Nachbarschaft, in der Schule oder im beruflichen Umfeld? Welches gesellschaftliche Klima, welche Machtverhältnisse und welche Diskussionskultur prägte die 1990er Jahre? Wie ging die Mehrheitsgesellschaft mit Minderheiten um?
Das Projekt ist eingebunden in das Gesamtprogramm „Kein Schlussstrich“ und wird gefördert durch das Thüringer Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit, die Bundeszentrale politische Bildung und JenaKultur. Der Werkstattbericht von Torsten Eckold, Torsten Cott und Daniel Börner präsentiert und diskutiert erste Arbeitsergebnisse gemeinsam mit dem Jenaer Psychologen Prof. Dr. Wolfgang Frindte.

 

Zeitzeugenwerkstatt am 15. Dezember 2021
Mit einer Fortsetzung der filmischen Reihe „Zeitzeugenwerkstatt“ widmet sich die Geschichtswerkstatt Jena der Zeit vor 30 Jahren, sprich der Umbruchsphase in den 1990er Jahren. Unter dem doppelten Motto „Abschied und Aufbruch“ befragt das aktuelle Zeitzeugenprojekt den vielschichtigen Transformationsprozess. Wie nutzte man die Freiheit(en) nach 1989/90? Von was nahm man Abschied (auch aus der bisherigen Biografie)? Wohin ist man aufgebrochen (geografisch, mental, beruflich, politisch oder kulturell) und später vielleicht wieder zurückgekehrt? Welche Träume hat man sich erfüllt, was blieb (bis heute) vermisst? Welche prägenden Erlebnisse im Lebenslauf verbindet die/der Einzelne mit der Phase der gesellschaftlichen, ökonomischen und privaten Änderungen in den 1990er Jahre? Ist jener Transformationsprozess überhaupt schon abgeschlossen und welche Rückschlüsse lässt die biografische, individuelle Rückschau auf die gegenwärtige Debatte über den „Zustand Ostdeutschlands“ zu?
Die Macher der einstündigen Dokumentation (Torsten Eckold, Torsten Cott und Daniel Börner) stellen das Ergebnis der diesjährigen Zeitzeugenwerkstatt vor und möchten darüber mit dem Publikum ins Gespräch kommen. Das Projekt wird gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung, JenaKultur und die Thüringer Staatskanzlei.

Wer sich die zurückliegenden Zeitzeugen-Projekte ansehen möchte, wird im YouTube-Kanal der Geschichtswerkstatt Jena fündig: www.youtube.com/user/gwsjena

Meldung vom 01. November 2021

Jubiläumsausgabe Heft 100 der „Gerbergasse 18“ erschienen: Grabe, wo du stehst!

Seit einem Vierteljahrhundert begleitet die Zeitschrift „Gerbergasse 18“ mit Beiträgen und Diskussionen die historische Aufarbeitung, nun ist das 100. Heft erschienen. Die Jubiläumsausgabe trägt das Motto der Geschichtswerkstätten-Bewegung: Grabe, wo du stehst!

Das Editorial der ersten Ausgabe 1996 war mit „Gegen Geschichtsklitterung“ überschrieben – „streitbar und sachkundig“ sollte die neue Zeitschrift den Erfahrungen und Erkenntnissen „ein Podium bieten“, die bisher tabuisiert, verdrängt, ungehört oder unterdrückt waren. Das „Forum für Geschichte und Kultur“, wie es anfänglich hieß, erschien fortan vierteljährlich. Keine Plattform also, um auf Tagesereignisse und Pressemeldungen zu reagieren, sondern eine vernehmbare Stimme der historischen Aufarbeitung und der zivilgesellschaftlichen Auseinandersetzung zu Demokratie und Diktatur im 20. Jahrhundert.
In 25 Jahren durchlief die „Gerbergasse 18“ nicht nur eine äußerliche Entwicklung, auch die Fragestellungen und Themenschwerpunkte differenzierten sich immer stärker aus. Während die öffentliche Beschäftigung, die Nutzung der Archive und die wissenschaftliche Forschung massiv angewachsen sind, blieb der Ansatz konstant: die lokale und regionalgeschichtliche Ausrichtung, die Perspektive der Betroffenen und Zeitzeugen, das Hinterfragen etablierter Narrative und Gewissheiten, gründliche Recherchen zu Alltag und Lebensläufen von Verfolgten, Ausgegrenzten und Andersdenkenden, die Einbeziehung von Quellen zu Opposition und Widerstand sowie das Entgegentreten bei Verklärung und Verharmlosung der SED-Diktatur. In einer Jubiläumsrubrik würdigt das Heft 100 daher die eigenen Wurzeln: die Ursprünge der europaweiten Geschichtswerkstätten-Bewegung, den Werkstattcharakter als leitendes Arbeitsprinzip, den Sitz der Geheimpolizei in der alten Gerbergasse als ein „Ort der Angst“ und zugleich des Triumphs im Dezember 1989, eine Vereinsgeschichte im Comic-Stil sowie ein Interview mit dem Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Über den eigenen Tellerrand hinaus schaut die Vorstellung anderer Geschichtswerkstätten, die ebenfalls
Zeitschriftenprojekte betreiben.
Das 100-seitige Heft bietet aber auch wieder viele weitere Beiträge zur Zeitgeschichte, etwa zu den Beziehungen von Joseph Beuys zur DDR, einem Rolling Stones-Fan aus Gera im Visier der Stasi oder das Ensemble für Intuitive Musik
Weimar, das vor 40 Jahren gegründet wurde.

Die neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ (Heft 100) ist – wie üblich – im lokalen Buchhandel oder direkt über die Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

Eine Inhaltsübersicht und Leseproben finden Sie hier.

 
 
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