Aktuelle Meldungen und Veranstaltungen

Meldung vom 19. August 2022

Neue Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ mit Schwerpunkt KUNST erschienen

Die heftigen Diskussionen rund um die Weltkunstschau „documenta fifteen“ in Kassel zeigen, wie eng die Fragen nach Kunstfreiheit, historischem Bewusstsein und gesellschaftlichen Machtverhältnissen miteinander verwoben sind. Dabei war Kunstgeschichte natürlich schon immer Streitgeschichte. Eine bis heute nachwirkende Debatte gilt der Unterscheidung zwischen sub-ventionierter Staatskunst, schlicht als „DDR-Kunst“ etikettiert, und autonomer, unangepasster Kunst, vorsichtiger als Kunst „in“ oder „aus der DDR“ apostrophiert. Die Streitfrage lautet: Bleibt Kunst, entstanden in einer Diktatur, dennoch primär Kunst, oder ist sie „nur“ Teil der Kulturgeschichte?
Die Antworten – und die Rückfrage, ob eine klare Trennung überhaupt plausibel ist – spalten bis heute das Publikum, die Sammlungsbestände, das Zugehörig-keitsgefühl der Ausstellungsbesucher, die Auseinandersetzung um das künstlerische Erbe in Ost und West. Hinzu kam und kommt immer drängender die Frage: Was ist Kunst wert und wer kann oder will sie sich noch leisten?
Die neue „Gerbergasse 18“ geht ganz unterschiedlichen Kunstspuren nach. Etwa der Motivgeschichte der Mauer-Bilder, der legendären Künstlergruppe Clara Mosch aus Karl-Marx-Stadt, dem Stellenwert ostdeutscher Malerei und der späten Aufklärung des Gothaer Kunstraubs von 1979, aber auch den Schwierigkeiten beim Ausstellen von Untergrund-Gegenkunst sowie dem „vergessenen Schatz“ eines brasilianischen Diplomaten, der in den 1980er Jahren die größte Privatsammlung mit Gegenwartskunst aus der DDR anhäufte.
Das neue Heft bietet aber auch weitere spannende Beiträge. So räumt ein Kommentar des Stadthistorikers Rüdiger Stutz mit dem hartnäckigen Mythos auf, die in der NS-Zeit entstandene Schlegelsberg-Siedlung in Jena-Ost würde einen stilisierten Reichsadler nachbilden. Obwohl sich das Gerücht aufgrund der geschlängelten Straßenführung bis heute hält, gibt es dafür keinerlei Belege. In weiteren Artikeln werden vermeintliche Attentatspläne gegen den DDR-Staatschef Walter Ullbricht rekonstruiert sowie dargestellt, wie der US-Filmstar Steve McQueen 1964 – mitten im Kalten Krieg – an einem Motorradrennen in Thüringen teilnahm. Hinzu kommen Forschungsergebnisse zur Flucht von Heimkindern über die innerdeutsche Grenze. Lutz Rathenow, der Ende September 70 Jahre alt wird, steuert einen Geburtstagstext bei: Der letzte Besuch in der ersten Kommune. Besprechungen zum Buch „Zonenrandgebiet“ der Historikern Astrid Eckert und zum Film „Stasikomödie“ von Leander Haußmann ergänzen die aktuelle Ausgabe.
Die neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ (Heft 103) ist im Buchhandel oder direkt über die Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

Das Inhaltsverzeichnis und einige Leseproben sind hier verfügbar.

Meldung vom 28. Juni 2022

Crowd-Projekt: Zeitzeugenwerkstatt „Friedensgemeinschaft Jena“ 1983 – Wir brauchen Eure Unterstützung!

Mitglieder der „Friedensgemeinschaft Jena“ am 18. März 1983, nachdem die Gruppe mit ihren selbstgestalteten Transparenten und Plakaten von einer städtischen Friedensdemonstration abgedrängt wurden. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (RHG_Fo_HAB_11510), Fotograf: Bernd Albrecht

 

Anfang der 1980er Jahre erwarb sich die Universitäts- und Industriestadt Jena den Ruf einer heimlichen Hauptstadt der Opposition. Regelmäßig lehnten sich hier mutige, junge Leute gegen die Einparteienherrschaft auf und hinterfragten die Phrasen der SED-Diktatur. Aus christlicher, pazifistischer und humanistischer Überzeugung formierte sich Anfang 1983 die „Friedensgemeinschaft Jena“ (FG) und trat mit eigenen Forderungen an die Öffentlichkeit: „Frieden schaffen ohne Waffen“, „Weg mit dem Kriegsspielzeug“, „Entrüstet Euch“, „Verzichtet auf Gewalt“, „Militarisierung raus aus unserem Leben“, „Wir wollen sozialen Friedensdienst“, „Frieden für alle", „Schwerter zu Pflugscharen". Das Regime reagierte massiv, die Geheimpolizei nannte die Aktion „Gegenschlag“, weil sie in der FG nur eine „feindlich-negative Gruppierung“ sah. Viele FG-Mitglieder verließen unfreiwillig ihre Heimat. An die Ereignisse vor 40 Jahren will die Geschichtswerkstatt mit einer filmischen Zeitzeugenwerkstatt erinnern, die wir im 2. Halbjahr 2022 umsetzen möchten.

Für die Umsetzung benötigen wir noch etwas Unterstützung und möchten unsere Crowd, also Euch, um Hilfe bitten. Das Besondere an der Jena-Crowd-Plattform ist, dass die Jenaer Stadtwerke bei jeder Spende ab 10 € weitere 10 € hinzugeben. Aus einer 10 €-Spende werden somit sofort 20 € für das Projekt.

 
Über diese Projekt-Seite kann die Crowd uns unterstützen: https://www.jena-crowd.de/fg-jena
 
Es gibt auch einige interessante Prämien, die in Verbindung mit einer Spende ausgewählt werden können. Selbstverständlich werden auf Wunsch auch Spendenbescheinigungen ausgestellt.
Vielen Dank für Eure Unterstützung!
Die bisherigen Teile der Projektreihe Zeitzeugenwerkstatt sind über den YouTube-Kanal der Geschichtswerkstatt
Jena abrufbar: https://www.youtube.com/user/gwsjena
 
 
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