Aktuelle Meldungen und Veranstaltungen

Meldung vom 25. September 2020

Bewegte Zeit – Rückblicke auf das Jahr 1990. Eine Veranstaltungsreihe des Thüringer Archivs für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“, der Geschichtswerkstatt Jena und JenaKultur

Jena 1990. Fotografin: Karin Günther (Erlangen)

 

Mit einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe möchten das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk", der Jenaer Stadthistoriker Rüdiger Stutz und die Geschichtswerkstatt Jena im Herbst 2020 die Bewegte Zeit vor 30 Jahren aus verschiedenen Perspektiven befragen. Die sechsteilige Reihe beginnt am 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) mit einem Blick auf die produktiven Impusle der Städtepartnerschaft Erlangen-Jena und endet Mitte Dezember mit einer Film- und Projektvorstellung der neuen Zeitzeugendokumentation Generationen im UmBruch der Geschichtswerkstatt.

Noch unter Vor-Corona-Bedingungen geplant, kann die Reihe aus bekannten Gründen nur unter besonderen Bedingungen realisiert werden, das heißt "leider" mit weniger Publikum vor Ort, aber mit der Bemühung, dass Interessierte die Termine dennoch mitverfolgen können. Siehe dazu der allgemeine Hinweis unten.

Die Veranstaltungsreihe wird gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

 

Veranstaltungstermine:
Samstag, 3. Oktober 2020 (Tag der Deutschen Einheit)
Präsentationen und Podiumsgespräch: Spurensuche zur frühen
Geschichte des Arbeitskreises Jenaer Judentum und zu einem
unterstützenden Impuls aus Erlangen um 1990
Ort: Diele im historischen Rathaus, Markt 1, 07743 Jena
Beginn: 14.00 Uhr / Gäste: Dr. Andreas Jakob (Stadtarchiv Erlangen)
und ZeitzeugInnen aus Jena / Moderation: Dr. Rüdiger Stutz

Außerhalb der Veranstaltungsreihe:

Samstag, 24. Oktober 2020
Zehnter Tag der Stadtgeschichte: Jena 1945. Endkriegsverbrechen –
Besetzung – Wiedereröffnung der Universität / Ort: Plenarsaal des
historischen Rathauses, Markt 1, 07743 Jena / Beginn: 10.00 Uhr (nur
nach vorheriger Einladung und Anmeldung; Livestream auf JenaTV)

Dienstag, 3. November 2020
Podiumsdiskussion: Bewegte Zeit – Rückblicke auf das Jahr 1990
Ort: Paradiescafé Jena, Vor dem Neutor 5, 07743 Jena
Beginn: 19.00 Uhr / Gäste: Torsten Cott, Thomas Eckardt, Martina
Haunstein / Moderation: Anne Jelena Schulte

Montag, 16. November 2020
Film und Gespräch: Solange Sie noch Arme haben,
Dokumentarfilm 2019, 92 min
Ort: Kino Schillerhof (Blauer Saal), Helmboldstraße 1, 07749 Jena
Beginn: 17.30 Uhr / Gäste: Luisa Bäde, Frank Karbstein
Bitte reservieren Sie Karten vorab online: www.schillerhof.org

Freitag, 20. November 2020
Podiumdiskussion: Perspektivwechsel – Deutsch-deutsche
Migration ab 1989/90
Ort: Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Vortragsraum,
Bibliotheksplatz 2, 07743 Jena / Beginn: 19.00 Uhr
Gäste: Dr. Martin Bindmann, Dr. Caroline Buchartowski,
Manuela Heinemann-Langer / Moderation: Prof. Dr. Silke Satjukow

Dienstag, 1. Dezember 2020
Podiumsdiskussion: Plötzlich Partner. Die Städtepartnerschaft Erlangen-
Jena ab 1990 / Ort: Paradiescafé Jena, Vor dem Neutor 5, 07743
Jena / Beginn: 19.00 Uhr / Gäste: Helmut Aichele, Karin Günther,
Heide Mattischeck, Peter Steger / Moderation: Daniel Börner

Mittwoch 16. Dezember 2020
Projekt- und Filmpräsentation: Generationen im UmBruch. Filmische
Zeitzeugendokumentation der Geschichtswerkstatt Jena
Ort: Kino Schillerhof (Blauer Saal), Helmboldstraße 1, 07749 Jena
Beginn: 18.00 Uhr
Bitte reservieren Sie Karten vorab online: www.schillerhof.org

 

Das Faltblatt zur Veranstaltungsreihe finden Sie hier.

Hinweis:

Der Eintritt ist zu allen Veranstaltungen frei. Bitte beachten Sie jedoch die vor Ort geltenden Hygienevorschriften und bringen Sie Ihren eigenen Mund-Nasen-Schutz mit. Aufgrund der
Corona-Pandemie ist eine Anmeldung zu den Veranstaltungen erforderlich, entweder über die E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder per Telefon: 03641-539304.

Für die beiden Veranstaltungen im Kino Schillerhof gilt das dortige Hygienekonzept:
www.schillerhof.org/de/service/hygienekonzept
Es ist geplant, die Podiumsgespräche live im Internet zu übertragen. Unter www.facebook.com/ThuerAZ können Sie die Veranstaltungen zu den angegebenen Zeiten mitverfolgen. Im Nachgang der Veranstaltungen sollen die Videoaufzeichnungen auf der Internetseite des ThürAZ zur Verfügung gestellt werden (www.thueraz.de).

Jena 1990. Fotografin: Karin Günther (Erlangen)

Meldung vom 08. Juli 2020

Neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ mit Titelthema „Liebe und Sexualität“ erschienen

Ohne sie wären wir alle nicht da: die menschliche Sexualität. Dennoch ist das historische Befragen des Liebes- und Sexuallebens – in Ost und West – eher ein pikantes Randthema geblieben: oft ausgeblendet, gar tabuisiert oder auf knappe Psychogramme verkürzt. Neben Aufklärung gibt es viel Verklärung, weil hartnäckige Mythen und Klischees fortwirken – natürlich, wer könnte sich davon freisprechen?
Der Soziologe und Jugendforscher Kurt Starke, gerne als „Sex-Papst“ der DDR bezeichnet, hatte vor 1990 eine Studie mit einem westdeutschen Kollegen „Zum Sexualverhalten von Studenten aus BRD und DDR“ durchgeführt. Die „Bild“-Zeitung verkürzte die Ergebnisse wenige Monate vor der Wiedervereinigung mit großen Buchstaben zu: „DDR-Frauen kriegen öfter einen Orgasmus“. Solche und ähnliche Boulevard-Meldungen führen ein Eigenleben – eine Mischung aus wirkmächtigen und langlebigen Selbstund Fremdbildern über den „wilden“ Osten kursieren: ungezwungene Nacktheit im FKK-Paradies, ein natürlicherer Umgang mit dem eigenen Körper, die sexuell freizügige Ostfrau bei gleichzeitiger Abwesenheit von bürgerlichkirchlicher Moral und kapitalistischem Leistungsdruck.
Der Blick auf die Bereiche Liebe und Sexualität schließt immer auch Gesellschaftsgeschichte ein. Wie wurde und wird mit Minderheiten umgegangen, die andere Varianten der normierten Sexualität leb(t)en? Im vorliegenden Heft wird das eindrücklich am Beispiel eines schwulen NVA-Offiziers, lesbischen Frauen auf dem Land und dem Rechtsanwalt Hans Holbein aus Apolda gezeigt, der für die Freiheit des dritten Geschlechts eintrat und dessen Stiftung für sexuelle Aufklärung und Wissensvermittlung seit 100 Jahren einer Verwirklichung harrt. So ist das Reden über Liebe und Sex auch nach 30 Jahren gemeinsamer Ost-West-Verbindung geprägt von vielen Gemeinsamkeiten, aber auch bestimmten Unterschieden.

Weitere Beiträge im Heft widmen sich unter anderem der Mail Art in der DDR als Kunst der Korrespondenz, den Spätfolgen psychologischer Folter durch die Zersetzungsmaßnahmen der DDR-Geheimpolizei sowie der Frage, weshalb alte Kader immer noch großen Einfluss auf die Geschichtsschreibung der DDR-Seefahrt haben. Eine Rezension bespricht den Erinnerungsband „Zusammenbruch“ des einstigen FDJ-Chefs Eberhard Aurich.

Die neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ (Heft 95) ist im Buchhandel, in ausgewählten Gedenkstätten/Museen oder direkt über die Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

Die Inhaltsübersicht und einige Leseproben zur aktuellen Ausgabe finden Sie hier.

 
 
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